GR: Nächste Etappe für die Energiewende in Graubünden

29. August 2025

Heute hat die Energiedirektorenkonferenz EnDK die neuen Mustervorschriften im Ener-giebereich (MuKEn 2025) veröffentlicht. Sie geben den Kantonen einen gemeinsamen Standard für klimafreundliches Bauen und Sanieren in die Hand. Damit beginnt nach dem beschlossenen Green Deal die nächste Etappe der Energiewende in Graubünden: anspruchsvoll, aber voller Chancen.

  • Auch wenn die revidierten MuKEN 2025 ein Kompromiss sind, enthalten sie wichtige Elemente, um schneller aus fossilen Energien auszusteigen. Eine rasche Übernahme in die kantonale Gesetzgebung ist unerlässlich, um die kantonalen und eidgenössischen Klimaziele zu erreichen.
  • Wie gross der Handlungsbedarf ist, zeigte das WWF Rating der kantonale Klima- und Energiepolitik 2024. Hier belegte der Kanton Graubünden den 15. Platz.
  • Die wichtigsten Massnahmen sind: Vorschriften zur Dekarbonisierung von Heizungen, Solarpflichten bei Dachsanierungen und eine Sanierungsfrist für elektrische Widerstandsheizungen.

(Zitate)

Dazu Anita Mazzetta, Co-Geschäftsleiterin WWF Graubünden

«Von den verfügbaren Dachflächen, die sich in Graubünden für Solarenergie eignen würden, werden bislang nur gut sieben Prozent tatsächlich genutzt. Elektrofahrzeuge machen nur vier Prozent des Gesamtverkehrs aus. Für die Wärmeversorgung nutzen wir erneuerbare Energien nur knapp zur Hälfte. Der beschlossene Green Deal wird dank Förderbeiträgen zwar Investitionen etwas beschleunigen, aber wir kommen zu langsam voran, und es ist offensichtlich, dass es noch enormen Verbesserungsbedarf gibt.»

«Der Ausstieg aus fossilen Energien hat viele Vorteile: wir reduzieren den Ausstoss von Treibhausgasen, erhöhen die Versorgungssichert im Energiebereich, machen uns unabhängiger von Importen von fossilen Energien (jährlich CHF 6-12 Mia) und schaffen neue Jobs auch in den Regionen. Je schneller wir damit anfangen, umso besser.»

Die wichtigsten Schritte für den Kanton Graubünden

Der Kanton sollte alle Vorschriften der MuKEn 2025 übernehmen, wobei folgende besonders dringlich sind:

  • Die Aufnahme der Vorschriften zur Dekarbonisierung von Heizungen. Es ist absurd, dass noch heute neue Gas- und Ölheizungen installiert werden, die CO2 und Feinstaub ausstossen und für die Mieter schon mittelfristig viel teurer sind als bewährte erneuerbare Alternativen wie Wärmepumpen und Fernwärme.
  • Die Einführung einer Verpflichtung, bei Dachsanierungen zumindest einen Teil des Solarpotenzials des Daches zu nutzen – mit entsprechenden Ausnahmen. Derzeit investieren vor allem Unternehmen und Eigentümer von Einfamilienhäusern in Solaranlagen. Bei Mehrfamilienhäusern kommt die Umstellung hingegen nur langsam voran, obwohl die wirtschaftlichen Vorteile für die Mieter noch grösser sind. Der Hauptgrund für diese Verzögerung ist, dass Eigentümer von Renditeobjekten kein Interesse an Investitionen haben, da sie nicht die Stromrechnungen bezahlen.
  • Die Einführung einer Frist von 5 Jahren für den Austausch von elektrischen Widerstandsheizungen (mit Ausnahmen). Diese Art von Heizung verbraucht 3 bis 4 Mal mehr Strom als eine Wärmepumpe, was bedeutet, dass durch ihren Austausch der Strombedarf erheblich gesenkt und die Stromrechnungen deutlich reduziert werden können.

Kantone für Klimaschutz entscheidend

Die Kantone spielen für den Klimaschutz eine entscheidende Rolle. Vor allem im Gebäudebereich entscheiden sie selbstständig. Dieser ist für 40 Prozent des Schweizer Energieverbrauchs und knapp ein Viertel der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Dazu kommt das grosse Potenzial beim Ausbau der Solarenergie und der Ladeinfrastruktur für E-Autos. Ohne die Kantone kann die Schweiz ihre klima- und energiepolitischen Ziele nicht erreichen. Den Kantonen stehen dabei eine Vielzahl an Instrumenten zur Verfügung: sie können beispielsweise Vorschriften zur Energieeffizienz und zum Einsatz erneuerbarer Energie erlassen, finanzielle Anreize setzen und für eine Sensibilisierung und Beratung der Hauseigentümer:innen sorgen.

 

Weitere Informationen:

Zum Stand der kantonalen Energiepolitik:

https://www.wwf.ch/de/unsere-ziele/kantonsrating-klima

WWF-Kantonsrating (Vollversion)

 

Zu den MuKEN 2050 der Energiedirektorenkonferenz EnDK:

https://endk.ch/  

 

Zum aktuellen Stand der Umsetzung gemäss energieschweiz:

https://www.energieschweiz.ch/tools/energiereporter/ 

 

Kontakt:

Anita Mazzetta, Geschäftsleiterin WWF Graubünden, 081 250 23 00, 076 500 48 18

 

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