Wasser für den Schreyenbachfall

Der Schreyenbachfall war früher eine schweizweit bekannte Naturattraktion. Seit 1964, mit der Inbetriebnahme des Kraftwerkes Linth-Limmern, ist er verstummt: Eine Fassung hat ihm das Wasser buchstäblich abgegraben. Seit 2008 fliess Wasser mindestens zeitweise die mächtigen Flesen runter.
Im Jahr 2003 reicht der WWF Glarus eine Einsprache gegen die Kraftwerke ein. 2004 konnte dann ein Vergleich zwischen dem WWF Glarus und der Kraftwerke Linth-Limmern AG abgeschlossen werden. Der legendäre Wasserfall im Tierfehd dürfte sich wenigstens an 22 Sommertagen wieder in voller Pracht zeigen. Mit der Realisierung des Projekts Linthal 2015 wurde die Sommerdotierung auf 45 Tage verlängert.
2008 kam die Abmachung erstmals zur Anwendung: Vom 18. Juni bis 2. August rauscht der Schreyenbachfall wieder über die Felswand hinunter – wie es auf alten Postkarten zu sehen ist. 1957, als der Landrat die Konzession für das Kraftwerk erteilte, gab ein Regierungsrat «die Zusicherung, dass der Wasserfall im annehmbaren Rahmen erhalten bleibe». Dieses Versprechen wurde nach 51 Jahren! endlich eingelöst.
Der Schreyenbachfall kann nun jährlich sein imposantes Naturschauspiel zwischen Juni und August aufführen. In der übrigen Jahreszeit wird das Wasser des Fisetenbaches, der den Schreyenbachfall speist und im Kanton Uri entspringt, zum Zwecke der Stromproduktion gefasst – das heisst: dem Schreyenbachfall vorenthalten. Wann die periodische Aufhebung der Fassung respektive die Speisung des Schreyenbachfalls (Dotierregime) erfolgt, wird jährlich neu festgelegt.